Thema Asyl: Solidarität zu- und untereinander ist gefordert!

Asylwerber in Murau

Im März dieses Jahres soll in Murau eine Unterkunft für Asylwerber in Betrieb genommen werden. Für die Liegenschaft Grazer Straße 26 ist nach Erfüllung verschiedener bautechnischer Auflagen durch das Land Steiermark die Zuweisung von 27 Personen vorgesehen. Nach heutigem Informationsstand ist zwischen dem Amt der Stmk. Landesregierung, Abteilung 11 – Soziales, und dem Eigentümer der Liegenschaft vereinbart, ausschließlich Familien aufzunehmen.

Wer das Quartier konkret bezieht, kann zum jetzigen Zeitpunkt (16. Februar 2016) nicht beantwortet werden, da die Abteilung 11 tagesaktuelle Listen mit zuzuweisenden Personen vom zuständigen Ministerium erhält und für die Unterbringung zu sorgen hat.

In der Stadtgemeinde Murau haben derzeit 10 Asylwerber Wohnsitz genommen, eine bescheidene Anzahl im Vergleich zu anderen Gemeinden im Bezirk wie beispielsweise Neumarkt (92) oder St. Peter am Kammersberg (59).

Bereits seit längerer Zeit gibt es auch in der Stadtgemeinde Murau eine Gruppe freiwilliger Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich um die untergebrachten Asylwerber kümmern, und es als humanitäre Pflicht ansehen, unsere Sprache zu vermitteln, Kleidung zu sammeln oder andere Aktivitäten anzubieten.

Warum kommen so viele Flüchtlinge nach Österreich und wie kommen sie in unsere Gemeinde?

Weltweit befinden sich aktuell rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Verfolgung, die höchste Zahl, die es je gab. Nur rund 20 Millionen dieser Menschen verlassen ihr eigenes Land, und von diesen wiederum gelangt nur ein kleinerer Teil nach Europa und Österreich. Direkt an Krisengebiete angrenzende Nationen nehmen die meisten Flüchtlinge auf, die Hauptaufnahmeländer im Jahr 2014 waren die Türkei (1,6 Millionen), Pakistan (1,5 Millionen) und der Libanon (1,2 Millionen).

Innerhalb Österreichs werden die Asylwerber gemäß einem auf der Einwohnerzahl basierenden Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. In der Steiermark sind derzeit rund 12.000 Asylwerber in der Grundversorgung untergebracht (14,24% aller in Österreich registrierten Asylwerber nach Verhältnis der Bevölkerungszahl im Bundesgebiet).

Wie aus Medien bekannt, war das Land Steiermark in den letzten Monaten intensiv auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten für Asylwerber. Für das Quartiermanagement ist das Referat für Flüchtlingsangelegenheiten des Amtes der Landesregierung zuständig. Bewirbt sich ein potentieller Quartiergeber mit einer Unterkunft, entscheidet das Referat darüber, ob tatsächlich Asylwerber untergebracht werden dürfen. Bei der Unterbringung wird auf Verhältnismäßigkeit zur Bevölkerung einer Gemeinde, soziale Verträglichkeit und örtliche Gegebenheiten geachtet. Die Gemeinde hat grundsätzlich kein Mitspracherecht, wird jedoch vorab informiert.

Welche finanzielle Unterstützung bekommen Asylwerber in Österreich und wieviel Geld erhalten Quartiergeber?

Österreich hat vor 60 Jahren die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet und sich zur Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen verpflichtet. Asylwerber haben Anspruch auf eine Grundversorgung. Diese beinhaltet neben einer geeigneten Unterbringung und angemessenen Versorgung auch die Bezahlung von Krankenversicherungsbeiträgen, Information, Bildung und soziale Betreuung durch geeignetes Personal, Schulbedarf, Bekleidung, Maßnahmen für pflegebedürftige Personen und im Bedarfsfall besondere Maßnahmen für unbegleitete Minderjährige sowie Rückkehrberatung, Rückreisekosten und einmalige Überbrückungshilfen bei freiwilliger Rückkehr.

Je nach Unterbringungsart erhalten die Quartiergeber und Asylwerber folgende Beträge:

Vollversorgung: Die Quartiergeber erhalten einen Tagessatz von € 19,– für Unterbringung und Verpflegung (drei Mahlzeiten am Tag). Die Asylwerber erhalten € 40,– im Monat an Taschengeld.

Teil-Selbstversorgung: Die Quartiergeber erhalten einen Tagessatz von € 19,–. Davon zahlen sie den Asylwerbern pro Monat € 110,– für die Selbstverpflegung. Des Weiteren werden Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel zur Verfügung gestellt. Die Asylwerber erhalten € 40,– im Monat an Taschengeld.

Selbstversorgung: Die Quartiergeber erhalten einen Tagessatz von € 12,– für die Unterbringung. Die Asylwerber verpflegen sich selbst und erhalten € 150,– pro Monat an Verpflegungsgeld.

Privatwohnungen (von Betroffenen selbst organisiert und gemietet): Eine Einzelperson erhält € 120,–, eine Familie € 240,– für die Miete (pro Monat). Das Verpflegungsgeld beträgt pro Person/ Monat für Erwachsene € 200,–, für Minderjährige € 90,–.

Weitere Leistungen unabhängig von der Unterbringungsart:

Krankenversicherung, Bekleidungshilfe max. € 150,–/Jahr, Schulbedarf max. € 200,–/Jahr, Fahrtkosten für den Schulbesuch.

Nach tatsächlichem Bezug des Quartiers ist beabsichtigt, einen Gemeindeinformationsabend zu veranstalten, die Einladung dazu wird durch die Stadtgemeinde rechtzeitig ergehen. Bei dieser Veranstaltung stehen dann sowohl die Gemeinde als auch Fachleute von Betreuungs- und Beratungseinrichtungen als Gesprächspartner zur Verfügung.

Wichtig und Zeichen eines zivilisierten Zugangs zu diesem zumeist sehr emotional diskutierten Thema ist die Solidarität der Murauerinnen und Murauer zu den Menschen, die in unserer Stadt zumindest eine Zeitlang Quartier nehmen werden und auch untereinander, um gemeinsam den bestmöglichen Weg zu gehen!

 

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